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Die meisten Unfälle passieren im Haushalt und in der Freizeit – diese Tatsache ist längst bekannt und bereits das ein oder andere Mal von uns erläutert worden. Auch über die Notwendigkeit eines privaten Unfallschutzes sind Sie eingehend informiert. Die Thematik rund um die Unfallversicherung erscheint uns jedoch so wichtig, dass wir diesem Thema erneut einen gesonderten Artikel widmen.

Definition des Unfallbegriffs
„Ein Unfall liegt vor, wenn die versicherte Person durch ein plötzlich von außen auf ihren Körper wirkendes Ereignis unfreiwillig eine Gesundheitsschädigung erleidet.

Was laut § 78, 2 VVG klar definiert ist, ist leider auch vielen unbekannt. Laien sehen ihren „Unfall“ mit anderen Augen als Sie und die Versicherungsgesellschaften.

Mit einem Blick in vor allem ältere Versicherungspolicen wird spätestens nach einem Schadenfall klar, „… sofern die Unfallursache durch eine willensgesteuerte Eigenbewegung ausgelöst wurde, ist ein Unfallereignis im Sinne der Versicherungsbedingungen zu verneinen.“

Klärt man über den Terminus Eigenbewegung auf, kommt es nicht selten zu fragenden Gesichtern. „Ich dachte, das sei mitversichert!“ „Aber das war doch kein Unfall!“

Eigenbewegung vs. Unfall

Die etwas sonderbar anmutende Bezeichnung „Eigenbewegung“ unterscheidet zwischen Unfallvorgängen durch Fremdverschulden und Selbstverschulden. Eine Verletzung durch Eigenbewegung wird also nicht durch eine von außen auf den Körper einwirkende Kraft, sondern durch Reflexreaktion oder typische (falsche) Bewegungen des Körpers hervorgerufen.

Nachfolgende Beispiele sollen dies verdeutlichen:

• Bei Gartenarbeiten hebt Frau N. eine bepflanzte Schale hoch und erleidet einen Muskelriss

• Herr W. knickt beim Spaziergang im Wald um und bricht sich den Fuß

• Frau M. stolpert beim Joggen über einen offenen Schnürsenkel, stürzt und bricht sich das Schlüsselbein

• Beim Stadtspaziergang rennt Frau L. ein herrenloser Hund entgegen, worauf diese erschrickt und auf die Bordsteinkante stürzt. Ihre Schulter erleidet eine komplizierte Fraktur mit bleibenden Schäden.

Laut Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) enthielten etwa 60 Prozent der rund 30 Millionen bestehenden Unfallpolicen nicht den Einschluss der Eigenbewegung, was im Endeffekt bedeuten würde, dass sich mehr als die Hälfte aller Unfallversicherten schlichtweg nicht mehr bewegen sollte. Überspitzt dargestellt.

Freizeitsportler

Zählen Sie zu Freizeitsportlern? Vor allem diese könnten vor einer bösen Überraschung stehen, sollte die Police keine Eigenbewegung-Deckung aufweisen. Der Umstieg auf Klettverschluss oder Schnallen für die Schuhe käme dann für Frau M. zu spät. Die Unglücksfälle in der Freizeit oder beim Sport weisen ein breites Spektrum von Verletzungsmöglichkeiten auf. Der Verlust eines Beines oder die bleibenden Schäden am aktiven Bewegungsapparat (Muskeln, Sehnen usw.) wirken sich auf die gesamte Zukunft aus. Dazu zählt nicht nur die Aufgabe des geliebten Sportes, sondern oft auch existenzielle Dinge stehen auf dem Spiel.

Ein weiteres Beispiel aus der Praxis:

Im Jahr 2014 verhandelte das Oberlandesgericht Berlin über den Fall einer Tennisspielerin. Diese knickte bei einem Wettkampf mit einem ihrer Füße unglücklich um, dass dabei sowohl Außen- wie Innenbänder so stark geschädigt wurden, dass sie dauerhafte Beschwerden davontrug. Die PUV weigerte sich, für die Verletzung finanziell aufzukommen, da nachweislich kein von außen auf sie einwirkendes Ereignis zu dem Schaden geführt habe.

In wieweit die private Unfallversicherung für den Schaden aufkommen muss, hängt natürlich immer vom jeweiligen Versicherungsvertrag ab. Hier lohnt es sich ganz besonders, in den Tarifbedingungen auf die Klauseln – hier „Eigenbewegungen“- zu achten.

Für weitere Informationen, Details zu Produkten und bei Fragen stehen wir Ihnen selbstverständlich zur Verfügung.

Die Leistungen einer Unfallversicherung und die Unterschiede der einzelnen Tarife können wir Ihnen ohne Probleme aufzeigen und erklären.

Doch wie sieht es im Schadenfall aus ?

Für viele zeigt sich erst im Schadenfall, wie wichtig die abgeschlossene Absicherung ist und wie gut Sie bearten wurden. Doch auch der beste Schutz hilft nichts, wenn es bei der Schadensaufnahme und der weiteren Schadensbearbeitung zu Fehlern oder zu Fristversäumnissen kommt.

Wir möchten Ihnen im Folgenden ein paar wichtige Tipps geben:

1. Den Versicherer nach einem Unfall so schnell wie möglich vom Unfall unterrichten

Gemäß den AUB sollte also jeder versicherte Unfall unverzüglich dem Versicherer angezeigt werden. Geschieht dies nicht begeht man eine Obliegenheitsverletzung und riskiert so den Versicherungsschutz. Was „unverzüglich“ genau bedeutet, ist umstritten. Juristen übersetzen den Begriff mit ohne schuldhaftes Verzögern . Mehr als eine Woche sollte man sich mit der Meldung aber auf keinen Fall Zeit lassen.

2. Die vollständig ausgefüllte Unfallanzeige umgehend zurücksenden

Sämtliche Angaben, um die der Versicherer den VN oder die versicherte Person bittet, müssen wahrheitsgemäß, vollständig und unverzüglich erteilt werden. Bei Versäumnis greift hier dann die bei vielen Versicherern hinterlegte Versehensklausel. Unterbleibt versehentlich eine Anzeige bzw. die Erfüllung einer vertraglichen Obliegenheit, so beeinträchtigt das die Leistungspflicht nicht, wenn der VN oder die versicherte Person nachweist, dass es sich hierbei nur um ein Versehen handelt und der VN oder die versicherte Person nach Erkennen die Anzeige unverzüglich nachgeholt bzw. die Obliegenheit unverzüglich erfüllt hat.

3. Sich von den vom Versicherer genannten Ärzten untersuchen lassen

Gemäß AUB kann der Versicherer Sie an beauftragte Ärzte verweisen, von denen Sie sich untersuchen lassen müssen. Sie sind auch verpflichtet, sich auf Anraten der Ärzte zumutbaren Operationen zu unterziehen. Einige Versicherer verzichten auf die Verpflichtung, sich zumutbaren Operationen zu unterziehen.

4. Einen tödlichen Unfall innerhalb von 48 Stunden dem Versicherer anzeigen

Generell ist man verpflichtet, den Unfalltod dem jeweiligen Versicherer innerhalb von 48 Stunden anzuzeigen. In vielen Tarifen ist diese Frist verlängert. Manche Versicherer verzichten in Ihren Top-Tarifen komplett auf eine Fristsetzung.

5. Die Fristen für die ärztliche Feststellung und Geltendmachung der Invalidität beachten

Hier möchten wir etwas weiter ausholen, da es hier neben den reinen Fristen noch einiges zu beachten gibt. Zum einen muss man hier zwischen dem Eintritt der Invalidität, der ärztlichen Feststellung und der Geltendmachung beim Versicherer unterscheiden. Gemäß AUB gilt für alles eine Frist von 15 Monaten. Einige Versicherer haben diese Fristen jedoch auf bis zu 42 Monate ausgedehnt. Im Schadensfall sollte man auf jeden Fall beachten, dass Sie sich den Invaliditätsgrad auch von einem Arzt schriftlich bestätigen lassen und dass zusätzlich innerhalb der Frist auch ein Antrag auf Geltendmachung der Invalidität beim Versicherer gestellt wird. Die normale Schadensmeldung ersetzt die Geltendmachung nicht!

Auch ärztliche Atteste über eine noch nicht abgeschlossene Behandlung bzw. neue Untersuchungsunterlagen (z. B. Röntgenbilder) können die Fristen nicht verlängern oder den Antrag auf Geltendmachung ersetzen. Sie sollten sich also immer einen möglich zurückbleibenden Invaliditätsgrad innerhalb der Fristen bescheinigen lassen und beim Unfallversicherer Ihren Anspruch geltend machen.

Auf welche Leistungen oder Ausschlüsse sollte im Schadenfall hingewiesen werden?

1. Mitwirkungsanteil

Entsprechend dem Umfang, in dem Krankheiten oder Gebrechen an der Gesundheitsschädigung oder ihren Folgen mitgewirkt haben (Mitwirkungsanteil), mindert sich die Leistung. Gemäß AUB verzichtet der Versicherer auf die Minderung, wenn der Mitwirkungsanteil unter 25 % liegt.

2. Krankenhaustagegeld und Genesungsgeld

Befinden Sie sich unfallbedingt in medizinisch notwendiger vollstationärer Heilbehandlung, erhalten Sie für den Zeitraum das vereinbarte Krankenhaustagegeld und für den gleichen Zeitraum ein vereinbartes Genesungsgeld, wenn Sie nach dem Krankenhausaufenthalt noch arbeitsunfähig sind. Zu beachten ist hier, dass Kuren oder Aufenthalte in Sanatorien und Erholungsheimen nicht als medizinisch notwendig angesehen werden und dementsprechend auch kein Leistungsanspruch besteht.

In den Top-Tarifen gewähren die Versicherer auch dann die Leistung, wenn die Heilbehandlung an einem Institut stattfindet, das sowohl der Heilbehandlung als auch der Kur oder Rehabilitation dient, sofern es sich um eine Notfalleinweisung handelt oder die Krankenanstalt das einzige Versorgungskrankenhaus in der Umgebung des Wohnortes des Versicherten ist. Die einzelnen Begrenzungen für die Dauer der Zahlung sollten ebenfalls beachtet werden. Darüber hinaus zahlen mittlerweile viele Versicherer das Krankenhaustagegeld auch bei ambulanten Operationen (meist drei Tagessätze), manche auch das Genesungsgeld.

3. Bewusstseinsstörung

Gemäß AUB sind Unfälle aufgrund von Bewusstseinsstörungen ausgeschlossen. In den meisten Fällen bieten die Versicherer hier jedoch Versicherungsschutz, wenn die Störung aufgrund von bestimmten Einflüssen (z. B. Medikamente, Alkohol, gewisse Krankheiten) eingetreten ist.

Besonders beachten sollte man hier die Alkoholklausel, die beim Lenken von Kraftfahrzeugen eine Promillegrenze vorsieht.

4. Erhöhte Kraftanstrengung und Eigenbewegung

Hier erst mal der Unterschied zwischen den beiden Begriffen. Bei der erhöhten Kraftanstrengung geht man von einer Bewegung aus, deren Muskeleinsatz über die normalen Handlungen des täglichen Lebens hinausgeht

Beispiel: Die versicherte Person zerrt sich bei einem Klimmzug die Muskulatur am Unterarm.
Ein Unfall durch Eigenbewegung wird durch Reflexbewegungen oder typische Bewegungen des Körpers hervorgerufen.

Beispiel: Die versicherte Person knickt beim Aussteigen aus dem Auto um.
Die erhöhte Kraftanstrengung ist bereits über die AUB abgesichert. Anders sieht es bei den Eigenbewegungen aus. Diese sind meist nur in den Top-Tarifen der Versicherer abgesichert. Achten sollte man bei beiden Leistungen auf die Ausschlüsse von bestimmten Verletzungen gemäß den Versicherungsbedingungen.

5. Schmerzensgeld bei Brüchen oder Bänderrissen

Ich habe doch eine Unfallversicherung, warum zahlt die hier nichts?“ Sie gehen aufgrund des Unfalls von einer Entschädigung über Ihre Unfallversicherung aus. Diese zahlt dann, wenn überhaupt, nur das Krankenhaustagegeld,  da die Unfallversicherung nur bei einer dauerhaften Invalidität zahlt.

Einige Versicherer bieten hier ein sogenanntes Schmerzensgeld an, dass auch bei Brüchen und Bänderrissen eine Leistung vorsieht, auch wenn keine dauerhafte Beschädigung zurückbleibt.

Für weitere Informationen, Details zu Produkten und bei Fragen stehen wir Ihnen selbstverständlich zur Verfügung.