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Haben Sie in diesem Jahr auch einen Auszubildenden in Ihrem Betrieb eingestellt? Nach überstandener Probezeit ist sein Weg für die nächsten zwei bis drei Jahre nun recht klar vorgegeben.
Die (noch bestehende) Probezeit nehmen wir zum Anlass, Ihnen frühzeitig Informationen zu den verschiedenen Absicherungsmöglichkeiten Ihres neuen jungen Mitarbeiters auf den Weg zu geben.

Berufsunfähigkeitsversicherung:

Mit der Absicherung der eigenen Arbeitskraft kann man gar nicht früh genug starten. Laut Statistik werden rund 25 % der Arbeitnehmer vor Erreichen des Regelrentenalters berufsunfähig und können ihrer Tätigkeit nicht mehr nachgehen. Bei Auszubildenden kann eine Berufsunfähigkeit doppelt schwer wiegen. Denn ist die fünfjährige Wartezeit für die gesetzliche Erwerbsminderungsrente nicht erfüllt, werden hieraus im Ernstfall auch keine Leistungen erbracht.

Bei vielen Versicherern können Sie sich – trotz des normalerweise niedrigeren Einkommens – mit einer monatlichen Rente in Höhe von 1.000 Euro absichern. Durch den meist guten Gesundheitszustand und das junge Eintrittsalter kann dies meist zu relativ günstigen Prämien umgesetzt werden – auch bei vielen handwerklichen Berufen! Auch wenn man mit 1.000 Euro monatliche Rente sicher keine großen Sprünge machen kann, ist für den Ernstfall zumindest die finanzielle Grundabsicherung gewährleistet. Nicht zu vergessen ist, dass bei vielen Tarifen eine spätere Erhöhung der Absicherung ohne erneute Gesundheitsprüfung möglich ist – und eine regelmäßige Steigerung aus den Überschüssen und der Dynamik darf ja auch nicht unterschätzt werden.

Altersvorsorge:

Je früher man dieses Thema angeht, desto besser. In jungen Jahren muss man noch deutlich weniger Geld für ein gewünschtes Sparziel ausgeben als mit einem höheren Eintrittsalter. Der Faktor Zeit kann in der Altersvorsorge kaum überschätzt werden. Zeit schlägt Rendite! Pro Jahrzehnt, das der Sparer früher beginnt, benötigt er nur in etwa den halben Beitrag für den gleichen Kapitalertrag. Andersherum ausgedrückt: Mit jedem Jahrzehnt, das der Sparer später beginnt, halbiert sich in etwa die zu erwartende spätere Altersrente bzw. die Kapitalauszahlung!

Beispiel:

Sparer, heutiges Alter 20, monatliche Sparrate 100,00 Euro, angenommene Verzinsung 3,5 % p.a.*, geplanter Renteneintritt mit Alter 67, Rentenfaktor mit Überschüssen: 35 Euro pro 10.000 Euro Deckungskapital

Sparbeginn mit Alter 20 (heute), Spardauer 47 Jahre à Einmalzahlung 141.045,40 Euro oder monatliche Altersrente 493,66 Euro

Sparbeginn mit Alter 30 (in 10 Jahren), Spardauer 37 Jahre à Einmalzahlung 89.820,61 Euro oder monatliche Altersrente 314,37 Euro

Sparbeginn mit Alter 40 (in 20 Jahren), Spardauer 27 Jahre à Einmalzahlung 53.506,39 Euro oder monatliche Altersrente 187,27 Euro

Zum Vergleich: Sparbeginn ab Geburt, Spardauer 67 Jahre à Endkapital: Einmalzahlung 315.229,55 Euro (!) oder monatliche Altersrente 1.103,30 Euro (!)

* die durchschnittliche klassische Gesamtverzinsung der deutschen Lebensversicherer für das Jahr 2017 beträgt 3,56 % (Quelle: GDV).

Sie sehen: Entscheidend ist der rechtzeitige Einstieg in den Sparprozess! Lieber früher und mit einem kleineren Betrag starten (eventuell mit einer Dynamik versehen) als später und mit einem größeren Betrag.

Bei der „Riester-Rente“ ergibt sich die Besonderheit, dass die Förderung auch bei einer niedrigen Ausbildungsvergütung und den daraus resultierenden niedrigen Sparraten immerhin 154 Euro beträgt. Wird bis zum 25. Lebensjahr erstmalig ein Riester-Vertrag abgeschlossen, gibt es zusätzlich noch den sogenannten Berufsstarterbonus in Höhe von einmalig 200 Euro. Rechnen Sie es selbst aus, die Förderung ist ein Traum!

Hausratversicherung:

Mit Beginn einer Ausbildung steht für viele Berufsanfänger auch der Umzug in eine neue Stadt an. Bei einigen Versicherern ist der Hausrat des Auszubildenden noch über die Außenversicherung mitversichert, wenn der Versicherer die neue Wohnsituation noch nicht als eigenen Hausstand wertet.

KFZ-Versicherung:

Hat man ein eigenes Auto, wird man dieses auch beim zuvor genannten Umzug mit an den neuen Wohnort nehmen. Es empfiehlt sich, das Auto dann auch am hauptsächlichen Nutzungsort anzumelden, sodass eine risikogerechte Tarifierung gewährleistet ist.

Überprüfen Sie in diesem Zuge auch gleich, ob noch alle Angaben richtig sind. Durch einen eventuellen Umzug und damit verbundene Heimfahrten verändert sich ggf. auch die jährliche Fahrleistung, die unbedingt angepasst werden sollte.

Für weitere Informationen, Details zu Produkten und bei Fragen stehen wir Ihnen selbstverständlich zur Verfügung.

Wir schreiben das Jahr 1880. Schlechte Bedingungen in Fabriken, Sonntagsarbeit und ein gesundheitsschädigendes Arbeitsumfeld führen in der Zeit der aufkommenden Industrialisierung vermehrt zu schweren Unfällen am Arbeitsplatz. Betroffen sind vor allem Berufsgruppen im Bergbau, unter Tage und Fabrikarbeiter. Angesichts der aufkommenden Proteste und Streiks der Arbeiterbewegung, dem sozialen Missstand und seiner schwierigen parlamentarischen Situation, hält Reichskanzler Bismarck politisches Handeln für dringend angebracht. Ziel soll eine stärkere Staatsbindung der Deutschen sein. Dieses Handeln lässt 1883 zunächst die gesetzliche Krankenversicherung entstehen, welche eine wichtige Station auf dem Weg zum modernen Sozialstaat darstellt. Seine Vorgehensweise findet international hohe Beachtung. Ein Jahr später, 1884, wird die gesetzliche Unfallversicherung ins Leben gerufen. Über die soll es im nachfolgenden Artikel gehen.

Ein Modell, das Geschichte schrieb
Mit der Schaffung seines Modells zur Sozialversicherung hat Bismarck ein System kreiert, das bis heute die Grundlage eines jeden Sozialstaates bildet und von immer mehr Ländern übernommen worden ist. Seit 1969 ist die gesetzliche Unfallversicherung in Deutschland im SGB VII geregelt und gehört wie bereits angeschnitten zu den ältesten Sparten der Deutschen Sozialversicherung. Im Gegensatz zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung ist die gesetzliche Unfallversicherung für die Versicherten beitragsfrei. Die Kosten für den umfassenden Versicherungsschutz der Prävention, Rehabilitation und Entschädigung tragen die Arbeitgeber. Im Bereich der Öffentlichen Hand tragen der Bund, die Länder und Gemeinden die Kosten.

Wer ist überhaupt Versichert?

Als erstes hat man wohl Arbeitnehmer im Sinn. Das stimmt natürlich. Jeder Arbeitnehmer und jeder Auszubildender ist gegen Unfälle, die sich am Arbeitsplatz/in der Schule, auf dem direkten Weg dorthin und zurück ereignen. Unter dem Schutz fallen außerdem auch folgende Personen:

  • Landwirte und deren Familienangehörige
  • Kinder, die Tageseinrichtungen besuchen
  • Schüler und Studenten
  • Behinderte Menschen in Werkstätten für behinderte Menschen
  • Helfer bei Unglücksfällen
  • Zivil- und Katastrophenschutzhelfer
  • Blut- und Organspender
  • Häuslich Pflegende und Haushaltshilfen
  • Helfer bei nicht gewerbsmäßigen Bauarbeiten
  • Personen, die für den Bund, ein Land, eine Gemeinde oder eine andere öffentlich-rechtliche Institution ehrenamtlich tätig sind sowie Zeugen vor Gericht
  • Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger bei Erfüllung ihrer Meldepflichten
  • Strafgefangene
  • Entwicklungshelfer
  • Freiwillig versicherte Unternehmer (Erklärung: Selbstständige können grundsätzlich selbst entscheiden, ob sie sich über die gesetzlichen Unfallversicherung versichern wollen.

Allen voran steht der Präventionsauftrag des Gesetzgebers, also die Verhütung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren. Als Beispiel sind hier die Begehungen der Firmen durch die Berufsgenossenschaften zu nennen, welche die Sicherheitsvorschriften prüfen (z. B. das Tragen von Sicherheitsschuhen, korrektes Anbringen von Feuerlöschern usw.). Aber auch Lehrveranstaltungen und die Zurverfügungstellung von kostenlosen Informationsmaterialien zum Thema Arbeitssicherheit für Unternehmen und Versicherte fällt in ihren Aufgabenbereich.

Kommt es zu einem Arbeitsunfall oder einer Berufskrankheit, gilt es, Ihre Gesundheit und die Leistungsfähigkeit mit allen geeigneten Mitteln wiederherzustellen (Heilbehandlungen) und sie oder ihre Hinterbliebenen durch Geldleistungen zu entschädigen. Außerdem erhalten Sie Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben und am Leben in der Gemeinschaft, z. B. durch Umschulungen. Ist es nicht möglich gewesen, die Leistungsfähigkeit wieder komplett herzustellen und Sie bleiben zu mindestens 20 % erwerbsgemindert, wird eine Unfallrente ausgezahlt. Auch kommt die gesetzliche Unfallversicherung für alle Behandlungskosten auf, die jemals in Zusammenhang mit dem versicherten Unfall stehen. Dazu zählen auch Spätfolgen.

Kind: Die Aufgabe der gesetzlichen Unfallversicherung ist es, zu gewährleisten, dass die Folgen eines Unfalls für die Ausbildung und das spätere Berufsleben des Kindes so gut wie möglich ausgeglichen werden. Idealerweise sollte das Kind später so gestellt sein, als wäre der Unfall nicht passiert.

Beispiel: Der 9- jährige Paul fährt bei gutem Wetter immer mit dem Fahrrad zur Schule. Eines Morgens stürzt er in einer Kurve und schleudert auf den Asphalt. Obwohl Paul einen Sturzhelm trägt, fügt er sich schwere Verletzungen am Gesicht und Rücken zu und ist seitdem querschnittsgelähmt.

In Pauls Fall würde man nach § 86 Nr. 2 SGB VII von einem Kinder-Jahresarbeitsverdienst von 11.620 Euro ausgehen. Der Betrag ergibt sich aus 33,3 % der Bezugsgröße, die im Westen im Jahr 2016 bei 34.860 Euro lag. Bei einer Minderung der (fiktiven) Erwerbstätigkeit (MdE) von 100 % würde das eine Jahresrente von 7.746,67 Euro bedeuten. Bitte beachten Sie: Der Prozentsatz der MdE ist nicht gleichbedeutend wie der Prozentsatz der Behinderung! Letzterer wird von den Berufsgenossenschaften festgelegt.

Arbeitnehmer:
Auch hierzu ein Beispiel: Herr L. ist 56 Jahre alt und seit 28 Jahren dem Lärmpegel einer Druckerei ausgesetzt, wo er überwiegend verantwortlich für die Bedienung der veralteten Heftmaschine ist. Obwohl er alle Sicherheitsvorschriften befolgt und regelmäßig Gehörschutz trägt, klagt er mit der Zeit über zunehmende Schwerhörigkeit, Schwindel und lautes Pfeifen in den Ohren. Aufgrund seiner stark geminderten Hörfähigkeit zieht sich Herr L. sozial immer mehr zurück. Als er nach Drängen seiner Frau endlich einen Arzt aufsucht, stellt dieser ein Loch im Trommelfell fest und bescheinigt ihm seinen lauten Arbeitsplatz als Auslöser. Die gesetzliche Unfallversicherung errechnet Herrn L. eine Minderung der Erwerbsfähigkeit von berücksichtigt hier neben dem rein körperlichen Schaden auch eine wesentliche Einschränkung der Erlebnis- und Gestaltungsfähigkeit mit ausgeprägten depressiven Störungen.

Zur Verdeutlichung: Im Jahr 2015 waren 14.460 schwere Arbeitsunfälle zu verzeichnen, bei denen es zur Zahlung einer Rente oder eines Sterbegelds gekommen ist.

Fazit:
Die gesetzliche Unfallversicherung (Berufsgenossenschaft) zahlt eine verhältnismäßig hohe Rente für Personen, die einen Arbeitsunfall bzw. Wegeunfall erlitten haben. Wegen der Kürzung des Erwerbsminderungsgrades sind die Unfallrenten in der Praxis allerdings häufig nicht besonders hoch. Die große Zahl der Fälle einer Berufsunfähigkeit sind nicht auf Arbeitsunfälle bzw. Arbeitswegunfälle zurückzuführen, sondern haben erfahrungsgemäß ihre Ursache im Haushalt oder in der Freizeit. Besonders für Kinder kann die private Unfallversicherung darüber entscheiden, wie sich ihre Zukunft gestaltet.

Sollten Sie weitere Informationen diesbezüglich benötigen, stehen wir Ihnen mit Rat und Tat zur Seite

Wie man die eigene Arbeitskraft absichert? Klar! Mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung! Sie haben aber einen gefährlichen Beruf, und außerdem Heuschnupfen? Kein Problem! Wir haben mehrere Alternativen, wie z. B. Erwerbsunfähigkeitsversicherung, Grundfähigkeitenversicherung, Dread-Disease oder auch eine funktionelle Invaliditätsabsicherung! Absicherungsformen für Ihre Arbeitskraft kennen wir viele. Wir müssen auch gar nicht lange nachdenken, bis Sie uns in den Sinn kommen. Eine ganz wichtige Komponente haben wir aber völlig unbeachtet gelassen. Und zwar das Krankentagegeld!

Denn nicht jede Krankheit und jedes Gebrechen stellen Leistungsauslöser für oben genannte Absicherungsformen dar. Und um als berufsunfähig zu gelten sind auch erstmal einige Hürden zu überwinden. Auch eine Diagnose mit langfristig in Aussicht gestellter Genesung kann zu enormen Einbußen führen. Berufsunfähig ist nämlich in der Regel nur, wer voraussichtlich für mindestens 6 Monate… wir wissen ja alle wie es weiter geht. Aber wo tun sich hier Deckungslücken auf?

Gesetzlich versicherte Angestellte

Grundsätzlich haben Angestellte einen gesetzlichen Anspruch auf Entgeltfortzahlung von mindestens 6 Wochen. Danach muss die Regelung beachtet werden, in welcher Höhe das Krankengeld bei gesetzlich Versicherten bezahlt wird. Vereinfacht gesagt sind das 90% des Nettoeinkommens, 70% des Bruttoeinkommens oder 70% der Beitragsbemessungsgrenze. Davon nehmen wir den niedrigsten Wert und schon weiß man, was Sie im Krankheitsfall zu erwarten haben.

Privat versicherte Angestellte und Selbstständige

Hier ist der Absicherungsbedarf natürlich besonders groß! Denn wer PKV versichert ist hat grundsätzlich keinen Anspruch auf das gesetzliche Krankengeld und stünde im Falle einer Krankheit ohne Versicherungsschutz da. Das heißt, dass nach der Lohnfortzahlung bei Arbeitnehmern (bei Selbstständigen sofort) das Einkommen ausbleiben würde. Die Beitragspflicht zur PKV und zur Pflegeversicherung bleiben dagegen weiterhin bestehen. Und nochmal zur Erinnerung: Der beste BU-Schutz nutzt nichts, sollte man aufgrund einer Krankheit zwar ausfallen, nicht aber die benötigten Leistungsauslöser erfüllen.

In welcher Höhe können Tagegelder abgeschlossen werden?

Auch hier müssen wir natürlich wieder zwischen Arbeitnehmern und Selbstständigen unterscheiden. Zur Veranschaulichung untenstehende Beispielrechnung:

 

Krankentagegeld (PKV) vs. Krankengeld (GKV)

Die Frage, ob man sein Einkommen über eine PKV oder eine GKV absichert stellt sich bei freiwillig versicherten GKV Mitgliedern, die einer selbstständigen Tätigkeit nachgehen. Verzichten Sie auf das gesetzliche Krankengeld, so zahlen sie einen ermäßigten Beitragssatz (derzeit 14,0%) in der GKV. Doch wo liegen eigentlich die Unterschiede dieser Absicherungsformen, bzw. welchen Vorteil bietet die Absicherung über die Privatwirtschaft?

Zum einen bietet das privat versicherte Krankentagegeld die Möglichkeit, seine Versorgungslücke vollumfänglich abzusichern. Das gesetzliche Krankengeld beschränkt sich in der Leistung auf die oben genannten Sätze. Es bestünde die Möglichkeit, das Krankengeld zu wählen und mit einem privaten Krankentagegeld aufzufüllen. Das muss im Einzelfall entschieden werden, denn der zu entrichtende Beitrag hängt von Ihren Einkommen ab (maximal 37,13 € im Monat).

Ganz wichtig ist aber die steuerliche Betrachtung der beiden Absicherungsformen im Leistungsfall. Als steuerfrei im Sinne des Einkommenssteuergesetzes sind beide deklariert, aber das GKV Krankengeld unterliegt der Steuerprogression. Das heißt, dass die Auszahlung an sich zwar steuerfrei erfolgt, den Steuersatz für das übrige Einkommen aber erhöht.

Veranschaulicht an folgendem Beispiel:

Ein Arbeitgeber hat ein zu versteuerndes Einkommen von 54.900,00 € und zahlt laut Grundtabelle 27% Steuern. Nun kann er aufgrund einer Knie-OP nur noch ein halbes Jahr arbeiten.

 

Bei Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Manche Wahrheiten sind eigentlich gar nicht so schwer zu verstehen.

Auch wenn man hin und wieder Argumentationsversuchen begegnet, mit denen der ein oder andere Versicherer versucht, ein Defizit in seinem Produktportfolio zu übertünchen, lässt sich der kleine aber wesentliche Unterschied nicht aus der Welt schaffen: Berufsunfähigkeitsversicherung und Dienstunfähigkeitsversicherung haben ähnliche aber eben doch unterschiedliche Leistungsauslöser.

Berufsunfähigkeit liegt laut GDV-Musterbedingungen vor, wenn „die versicherte Person infolge Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechenden Kräfteverfalls, die ärztlich nachzuweisen sind, voraussichtlich auf Dauer ihren zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, nicht mehr zu mindestens 50% ausüben kann und auch keine andere Tätigkeit ausübt, die ihrer bisherigen Lebensstellung entspricht.“ (GDV- Allgemeine Bedingungen für die Berufsunfähigkeits-Versicherung §2 Abs. 1)

Dienstunfähig ist im Vergleich dazu laut § 44 Abs.1 BBG hingegen, ein Beamter, der „wegen seines körperlichen Zustandes oder aus gesundheitlichen Gründen zur Erfüllung seiner Dienstpflichten dauernd unfähig ist.“ Darüber entscheidet gemäß § 47 Abs. 2 BBG die für die Ernennung zuständige Behörde.

Hieraus ergibt sich der wesentliche Unterschied:

  • Eine Berufsunfähigkeit ist im vorgegebenen Umfang gegenüber der Versicherung ärztlich nachzuweisen.
  • Darüber, ob eine Dienstunfähigkeit vorliegt, entscheidet eine Behörde.

Ein Problem taucht nun auf, wenn die Behörde eine Dienstunfähigkeit erkennt, obwohl die Voraussetzungen für eine Berufsunfähigkeit gemäß den Versicherungsbedingungen nicht vorliegen. In diesem Fall stände ein Beamter, der nur eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen hat, ohne eine private Absicherung da. Das wäre eine ziemlich böse Überraschung, oder?

Der Kern einer Dienstunfähigkeitsversicherung ist also, dass sich die Versicherung bezüglich des Vorliegens der Leistungsvoraussetzung dem Urteil der Behörde unterwirft. Welcher Versicherer möchte das schon? Da wundert es kaum, dass es nur eine kleine Anzahl von Versicherungsunternehmen gibt, die überhaupt eine Dienstunfähigkeitsklausel anbieten – manchen der „typischen Beamtenversicherer“ sucht man hier übrigens vergerbens…

An dieser Stelle mag sich der ein oder andere von Ihnen die Frage stellen, ob die Beamtenversorgung eine private Absicherung überhaupt nötig macht. Landläufig wird diese ja als eher üppig angesehen. Hierzu ein kurzer Abriss zur Versorgung bei Dienstunfähigkeit:

Beamte auf Widerruf und Probe
Beamte auf Widerruf befinden sich noch in der Ausbildung. Während dieser Zeit ist nur der Dienstunfall versichert und der junge Beamtenanwärter hat somit eine 100 %ige Versorgungslücke bei Verlust seiner Dienstfähigkeit. Analog dazu hat der Beamte auf Probe auch noch nicht den Status auf Lebenszeit erreicht und würde im Leistungsfall entlassen und seine anteiligen Anwartschaften würden an die Deutsche Rentenversicherung ausgelagert.

Eine echte Versorgung hat also nur der Beamte auf Lebenszeit. Dieser profitiert dann – (abgesehen von 60 Monaten zu erfüllender Anwartzeit) ungeachtet von Alter und Dienstzeit – auch gleich von der Mindestversorgung. Mit zunehmenden Dienstjahren (vor Eintritt DU) wird diese nach und nach max. bis zum Regelruhegehalt ausgebaut.

Sonderregelungen für Polizisten, Soldaten und Feuerwehrbeamte
Für Beschäftigte des öffentlichen Dienstes, die Ihre Tätigkeit nicht nur verwaltend, sondern auch körperlich ausführen, gibt es sogenannte spezielle berufsbezogene Dienstunfähigkeitsklauseln. Die dort hinterlegten Formulierungen beinhalten somit jeweils eine spezielle Dienstunfähigkeit die auf die ausgeübte Tätigkeit abstellt. Hierzu zählen z.B. die Polizeidienst- & Justizvollzugsdienstunfähigkeit. Aber auch Feuerwehrbeamte und Soldaten (Zeit- & Berufssoldaten), sowie Zöllner und Bundesgrenzschutzbeamte können solche Spezialklauseln abschließen. Bei diesen speziellen Dienstunfähigkeitsklauseln sind die Leistungskriterien bereits dann erfüllt, wenn die Beamtin bzw. der Beamte den besonderen gesundheitlichen Anforderungen an seinen Dienst ( z.B. das Tragen von Atemschutzgeräten bei Feuerwehrbeamten…) nicht mehr genügt und seine Dienstfähigkeit nicht innerhalb eines Jahres wiederhergestellt werden kann.

Und wie hoch sichert man sich als Beamter nun ab?

Wir empfehlen, beim Beamten auf Widerruf und dem Beamten auf Probe, die Rentenhöhe am tatsächlichen Nettobezug anzulehnen. Einschränkungen, die ein Versicherer in seinem Tarif vorgibt, müssen natürlich mit berücksichtigt werden.

Beim Beamten auf Lebenszeit können Sie die Rente halbieren, da er ja von der Mindestabsicherung profitiert und diese über die Jahre weiter bis zum regulären Ruhegehalt ausbaut. Da sich durch Kinder (Familienzuschlag), Versetzung (Ballungsraumzulage), etc. aber deutliche Einkommensveränderungen bei ihm ergeben können, sollte die Rente nicht weiter nach unten korrigiert werden. Wie bei einem „normalen“ Kunden auch, sollte bei den üblichen Ereignissen, bei denen die Nachversicherungsgarantie greift, geprüft werden, ob der Schutz in der Gesamtheit ausreichend ist.

Natürlich mag man sich nicht vorstellen schwer krank oder gar berufsunfähig zu sein, leider passiert dies schneller und häufiger als erwartet. Vor allem Auszubildende machen sich die wenigsten Gedanken über das Thema Arbeitskraftabsicherung. Was kann denn schon passieren? Ist es denn überhaupt sinnvoll seine Arbeitskraft abzusichern? Ja, durchaus! Tritt im schlimmsten Fall eine Berufsunfähigkeit ein, haben Azubis keinerlei Ansprüche gegen den gesetzlichen Versorgungsträger. Plötzlich und unerwartet steht die Diagnose Multiple Sklerose fest! Was nun? Seinen Ausbildungsberuf kann man aufgrund dieser Nervenkrankheit nicht mehr ausüben. Kontrollverluste erschweren die tägliche Arbeit. An eine Berufsunfähigkeitsversicherung hat man bisher noch nicht gedacht. Man steht ohne Einkommen da und hat keine Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Denn Ansprüche auf Rente wegen geminderter Erwerbsfähigkeit hat man erst, wenn man 5 Jahre Mitglied der gesetzlichen Rentenversicherung war und davon 3 Jahre Pflichtbeiträge bezahlt hat.

Gibt es einen Ausweg, um dieses Problem zu umgehen?

Ja, man kann sich zusätzlich privat absichern! Hier sprechen wir von einer Berufsunfähigkeitsversicherung, die so etwas wie die Vollkasko für die eigene Arbeitskraft ist! Berufsunfähig ist, wer infolge von Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfalls voraussichtlich 6 Monaten ununterbrochen seinen Beruf oder eine andere Tätigkeit nicht mehr nachgehen kann. Eine 100%ige Leistung vom Versicherer erhält man, wenn der bisherige Beruf nicht mehr zu 50% ausgeübt werden kann. Die Höhe und die Leistung kann individuell mit dem Versicherer vereinbart werden. Je jünger die versicherte Person ist, desto niedriger ist das Risiko und somit auch der Beitrag. Man sichert sich außerdem seinen Gesundheitszustand ab! In den meisten Fällen bieten Versicherer für Jungeinsteiger Starter BU-Tarife an, die zu Beginn mit einem besonders verringerten Anfangsbeitrag überzeugen. Diese können mit einer Altersvorsorge gekoppelt werden.

Tritt im schlimmsten Fall eine Berufsunfähigkeit ein, bedeutet dies, dass der BU-Versicherer die Altersvorsorgebeiträge weiter bezahlt. Die Rentenhöhe sollte so hoch vereinbart werden, dass sie zum leben ausreicht. Ist man lebenslänglich berufsunfähig muss diese auch lebenslang ausreichen. Ich könnte mich mit meinem Azubigehalt nicht auf Dauer über Wasser halten. Desweiteren gibt es eine maximale Rentenzahlung in Höhe von 1.000,- € für Azubis. Eine Erhöhungsoption wäre bei Heirat, Hausbau oder bei Nachwuchs möglich. Der Eintritt der Rentenzahlung kann ebenfalls individuell mit dem Versicherer abgesprochen werden. Üblich ist das Endalter mit 67 Jahren, aber auch eine lebenslange Rentenzahlung ist möglich. In diesem Fall bieten viele Versicherer solche Starter BU-Tarife an. Als mögliche Alternative gäbe es auch eine einjährige kalkulierte BU. Die Tarife haben unterschiedliche Bezeichnungen, die sich unter anderem „Einsteiger-BU“ oder „SBU Start“ nennen. Leider bleiben die Beiträge nicht immer so niedrig. Sie werden im Laufe der Zeit teurer.

Hier sehen Sie eine Aufstellung der durchschnittlichen Kosten sämtlicher Tarife für einen 16-jährigen Kfz-Mechatroniker und eine 16-jährigen Kauffrau für Versicherungen und Finanzen. Die BU Rentenhöhe beträgt 1.000,- €:

Beispielaufstellung der Kosten

Alternativen

Ist einem die BU zu teuer oder man ist schon so erkrankt, dass man keine mehr bekommt, gibt es verschiedene Alternativen:

Unabhängig von der Königsdisziplin – der Berufsunfähigkeitsversicherung – gibt es eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung (EU), Grundfähigkeitstarife oder Dread Disease-Produkte (Absicherung gegen schwere Krankheiten). Aus Preisgründen könnte die EU interessant sein. Bei Vorerkrankung muss man schauen, ob man durch die Annahmeprüfung einer Dread Disease oder Grundfähigkeiten-Versicherung kommt.

Aufgrund dieses wichtigen Themas, sollte man sich die Zeit nehmen, sich mit der Arbeitskraftabsicherung gründlich zu befassen.

Redet doch mal mit Eurem Chef darüber!