Altersvorsorge

Die Gesamtverzinsung klassischer Lebens- und Rentenversicherungen lag 2018 bei 3,40 % (Quelle: Assekurata). Angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase ist dies noch immer ein erstaunlich hohes Niveau, möchte man meinen.

Doch zugleich sorgt die Kombination aus Niedrigzinspolitik und steigenden regulatorischen Anforderungen, insbesondere an das Eigenkapital für langfristige Garantien unter Solvency II, für eine massive Verteuerung der Klassik und damit für zunehmenden Handlungsdruck.

Wie stark die Herausforderungen bereits angewachsen sind, lässt sich beispielsweise an Kennziffern wie der Zinszusatzreserve ablesen. Betrug diese 2016 branchenweit noch 13 Mrd. Euro, wurden für 2017 bereits 20 Mrd. Euro erwartet (Quelle: GDV v. 08.02.2017). Seit der Einführung im Jahr 2011 ist die Zinszusatzreserve damit insgesamt auf bereits 44,1 Mrd. angeschwollen (Quelle: Versicherungsbote v. 02.02.2017).

Die logische Konsequenz ist daher ein (wahlweise disruptiver oder allmählicher) Rückzug aus der herkömmlichen Klassik. Das Umdenken der Branche hat inzwischen selbst ehedem unbeirrbare Verfechter der Klassik wie die Debeka erfasst, die sich im vergangenen Jahr zu einer jähen Kehrtwende genötigt sah und den Verkauf herkömmlicher klassischer Produkte ganz gestoppt hat. Zuvor haben sich bereits Zurich, Talanx AG (HDI u.a.) und Ergo vom Klassikmarkt verabschiedet. Im Jahre 2016 stellten zudem die Gothaer und weitgehend auch die Württembergische ihr klassisches Lebensgeschäft ein.

Andere Versicherer dagegen bevorzugen einen soft close, indem sie ihre klassischen Produkte gezielt unattraktiver machen. So hat der Volkswohl Bund bereits zum 01.10.2016 den Garantiezins mit 0,5 % auf ein Niveu noch unterhalb des neuen Garantiezinses, der ja lediglich ein „Höchstrechnungszins“ ist, abgesenkt. Die Signalwirkung: Wir wollen uns leise aus der Klassik zurückziehen, allerdings ohne Vertriebspartner und Kunden zu erschrecken.

Doch unbeeindruckt von den zinspolitischen und regulatorischen Zwängen scheuen die meisten deutschen Vorsorgesparer nach wie vor selbst lediglich kurzzeitige Verlustrisiken wie der sprichwörtliche Teufel das Weihwasser und fordern weiterhin maximale Garantien ein. Wenngleich diese starke Risikoaversion alles andere als rational und zukunftsträchtig ist, so weiß man doch, dass der Wurm dem Fisch schmecken muss und nicht dem Angler.

Was ist eigentlich die „Neue Klassik“?

Die Lebensversicherer bemühen sich daher bereits seit etlichen Jahren, mit klassiknahen Produktalternativen wenigstens eine gewisse Reduktion der Garantieverpflichtungen am Markt durchzusetzen und im Übrigen das bekannte und bewährte Modell beizubehalten.

  • Produkte der „Neuen Klassik“ im engeren Sinne sind grundsätzlich dadaurch gekennzeichnet, dass der Garantiezins als garantierter Mindestzins abgeschafft ist. Stattdessen wird eine endfällige Bruttobeitragsgarantie ausgesprochen sowie eine garantierte Mindestrente zugesagt. Alternativ zur Mindestrente kann das Gesamtkapital nach künftigen Rechnungsgrundlagen verrentet werden. Im Gegenzug für den Wegfall der garantierten Mindestverzinsung ist bei Anbietern, die „neo-klassische“ Geschäft betreiben, als Wahlanreiz die Überschussbeteiligung meist etwas höher als bei der herkömmlichen Klassik.
  • Abzugrenzen ist die „Neue Klassik“ im engeren Sinne von anderen „klassik-verwandten“ Produktgruppen wie den Indexpolicen (hier werden Überschüsse zum Erwerb von Indexzertifikaten verwendet) und den Fondspolicen mit Garantie, die zur Abbildung der Garantie das Sicherungsvermögen heranziehen (wie Zwei- oder Dreitopf-Hybride).

Die Chancen auf Mehrertrag halten sich bei der „Neuen Klassik“ allerdings in Grenzen: Marktweit (Stand 2016) sollen diese Produkte laut Assekurata zwar durchschnittlich um jeweils 0,3 Prozentpunkte höhere Überschüsse erzielen als die herkömmliche Klassik. Sie weisen jedoch auch um 0,14 Prozentpunkte höhere Kosten auf. Per saldo verbleibt mithin eine Netto-Überrendite gegenüber der herkömmlichen Klassik von gerade einmal 0,16 Prozentpunkten (Quelle: Assekurata Marktstudie 2016 in: Versicherungsjournal v. 1.02.2016).

Besondere Form der „Neuen Klassik“ mit flexiblem „dualen Anlagemechanismus“

Neben Indexpolicen und Fondspolicen mit Garantie wurde zudem eine bislang weitgehend unbeachtete Produktkategorie eingeführt, die man als Policen mit „dualen Anlagemechanismus“ bezeichnen könnte. Bei diesen können die Sparbeiträge wie mit einem Schieberegler zwischen Sicherungsvermögen und freier Fondsanlage nahezu beliebig aufgeteilt werden. Vorteil: Stellt man nach einigen Jahren fest, dass ein anfänglich hoher Anteil des Sicherungsvermögens nicht die gewünschte Rendite bringt, kann nachträglich einfach der „Hebel“ zu mehr freier Fondsanlage „umgelegt“ werden – oder eben auch umgekehrt.

Fazit

Der negativen Sogwirkung von Niedrigzins und (Über-) Regulierung kann sich auch eine „Neue Klassik“ kaum entziehen. Einer marginalen möglichen Mehrrendite und einem durchaus erfreulichen Hinzugewinn an Flexibilität stehen die Aufgabe der garantierten Mindestverzinsung sowie die unvermindert anschwellenden Probleme des klassischen Sicherungsvermögens gegenüber. Ihre Stärke könnten die neuen Produkte allerdings dann voll ausspielen, wenn die künftigen Rechnungsgrundlagen deutlich besser ausfallen sollten als die heutigen – dies ist jedoch ungewiss.

Die besondere Variante der „dualen“ Form der „Neuen Klassik“ lohnt allerdings einen genaueren Blick. Diese Produkte ermöglichen es, jederzeit nahezu frei zwischen rein klassischer Klassik und freier Fondsanlage hin- und herzuwechseln. Nicht nur kann ein geschickter Sparer auf diese Weise Schwankungen der Kapitalmärkte zur Renditeoptimierung ausnutzen. Sollten die Überschüsse noch weiter sinken, als vom sicherheitsorientierten Vorsorgesparer erhofft, wird der „Schieberegler“ einfach etwas weiter Richtung Fondsanlage geschoben.

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